Mit der "Introvert Travel Agency" macht das Tourismusbüro von Schweden (Visit Sweden) aus dem wachsenden Wunsch nach Ruhe und Selbstbestimmung ein touristisches Angebot – und startet die gleichlautende Kampagne. Eine YouGov-Studie liefert die relevanten Zielgruppen-Insights: Mehr als die Hälfte der Deutschen wünscht sich Reiseziele mit weniger sozialem Druck – und würde für mehr Ruhe sogar mehr bezahlen. Ein Pop-up Event in Berlin soll eine Anlaufstelle für Interessierte sein.
Wer im Urlaub vor allem eines möchte – seine Ruhe –, gehört offenbar längst nicht mehr zu einer kleinen Zielgruppe. Visit Sweden greift dieses Bedürfnis mit einer ungewöhnlichen Tourismuskampagne auf: Unter dem Namen "The Introvert Travel Agency" startet die schwedische Tourismus-Organisation ein Reisebüro speziell für Menschen, die selbst entscheiden möchten, wann und wie viel Gesellschaft sie im Urlaub haben.
Das Konzept funktioniert zunächst online. Dort sollen Reisende Angebote für einen Schwedenurlaub finden, der zu ihrem individuellen Bedürfnis nach Ruhe, Freiraum und sozialer Interaktion passt. Im Oktober bringt Visit Sweden die Idee zudem als Pop-up-Event nach Berlin, Paris und London.
Zielgruppen-Insight: Fast jeder Zweite bezeichnet sich als introvertiert
Dass Visit Sweden mit der Kampagne einen Nerv treffen könnte, zeigen Zahlen einer YouGov-Umfrage, die im Juni und Juli 2026 im Auftrag der Tourismus-Organisation durchgeführt wurde.
Demnach bezeichnen sich 46 Prozent der Befragten in Deutschland als vorwiegend introvertiert. 57 Prozent bevorzugen Reiseziele, an denen soziale Interaktion freiwillig bleibt.
Bemerkenswert aus Marketingsicht: 54 Prozent geben an, für mehr Ruhe, Privatsphäre oder weniger Andrang im Urlaub sogar mehr bezahlen zu wollen. Damit wird aus einem vermeintlich "weichen Reisetrend" ein wirtschaftlich interessantes Segment.
"Für Introvertierte geht es beim Energietanken häufig weniger darum, allein zu sein, als selbst bestimmen zu können, wann und wie sie mit anderen Menschen interagieren", erklärt Mattias Lundberg, Psychologe und Associate Professor für Psychologie an der Universität Umeå. Eine Umgebung mit weniger sozialem Druck, persönlichem Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten könne dabei helfen, Energie zu bewahren bzw. zurückzugewinnen.
Weniger müssen, mehr selbst bestimmen – Schweden macht Zurückhaltung zum Reiseversprechen
Aus Marketingsicht liegt der Reiz der Kampagne vor allem darin, dass Visit Sweden vorhandene Eigenschaften des Landes neu interpretiert. Geringe Bevölkerungsdichte, viel Natur, das Zulassen persönlicher Distanz und eine Kultur, in der Stille nicht zwangsläufig mit Small Talk gefüllt werden muss, sind relevante Produktmerkmale für eine klar definierte Zielgruppe.
Auch das schwedische Jedermannsrecht fügt sich in diese Positionierung ein: Wälder, Seen und Landschaften können weitgehend selbstständig und im eigenen Tempo erkundet werden. Statt touristische Attraktionen herauszustellen, dockt die Kampagne an ein aktuelles gesellschaftliches Bedürfnis an.
"Viele Reisende suchen etwas überraschend Einfaches. Sie möchten selbst entscheiden, wann sie Gesellschaft wollen und wann nicht", sagt Susanne Andersson, CEO von Visit Sweden. Schweden biete diesen Freiraum sowohl in der Natur als auch in Städten und in der Alltagskultur. Ihr Kampagnenversprechen bringt sie auf eine einfache Formel: "Gesellschaft ist in Schweden eine Möglichkeit, keine Verpflichtung."
Vom Insight zur Kampagnenidee
Das Konzept ist damit zugleich ein Beispiel für eine Strategie, die auf einem konkreten Consumer Insight basiert. Urlaub muss nicht zwangsläufig bedeuten, möglichst viel zu erleben, möglichst viele Menschen kennenzulernen oder ständig etwas zu unternehmen. Visit Sweden dreht diese Erwartung um und macht die Möglichkeit des Rückzugs selbst zum Erlebnis.
Die begleitende YouGov-Studie übernimmt dabei eine wichtige Funktion. Sie liefert nicht nur interessante Zahlen, die mediale Aufmerksamkeit wecken, sondern die Schweden als Reiseziel für Ruhe und Selbstbestimmung zusätzliche Relevanz verleihen.
Gleichzeitig besitzt die Idee genügend Zuspitzung für PR und Social Media: Ein "Reisebüro für Introvertierte" erklärt das Konzept bereits im Namen und erzeugt eine gewisse Spannung – Introvertierte vermutet man gewöhnlich nicht unter den Menschen, die gerne reisen.
Pop-up-Reisebüro kommt im Oktober nach Berlin – No small talk please
Neben dem Online-Angebot The Introvert Travel Agency setzt Visit Sweden auf ein Vor-Ort-Erlebnis. Vom 14. bis 17. Oktober 2026 macht die "Introvert Travel Agency" Station in Berlin. Anschließend folgen Paris vom 21. bis 24. Oktober und London vom 28. bis 31. Oktober. Interessierte können hier das Konzept weiter vertiefen und "ohne großen Small Talk" (s. Titelbild) individuelle Angebote für einen Urlaub in Schweden erhalten.
Titelbild: The Introvert Travel Agency (Foto / Copyright: Visit Schweden)

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Zusammenfassung (Abstract):
Unter dem Titel "The Introvert Travel Agency" startet Visit Sweden eine neue Kampagne und macht den Wunsch nach Ruhe und Selbstbestimmung zum Reiseversprechen. Eine YouGov-Umfrage zeigt, wie groß das Potenzial der Zielgruppe der "Introvertierten" ist. Im Oktober 2026 geht das ungewöhnliche Reisebüro als Pop-up auf Tour durch drei europäische Hauptstädte und macht u. a. Station in Berlin.
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