Marketing Trend Vertical Drama – YES! integriert Marken und Influencer in Smartphone-Serie

YES Crew-Foto (Copyright: YES_NRB). Das Foto wurde der marketingScout.com Redaktion von forvision für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt.)
14. September 2026 Autor: Redaktion MarketingScout

60 Episoden, jeweils nur ein bis zwei Minuten lang, konsequent im Hochformat produziert: Mit der Serie "YES!" geht in Deutschland ein Format an den Start, das einen international stark wachsenden Medientrend aufgreift. Interessant aus Marketingsicht ist dabei nicht allein das Format "Vertical Drama". Die Marken Taittinger und Glambou werden organisch in die Story integriert, Influencer als Protagonisten (u. a. Cathy Hummels) sorgen für Aufmerksamkeit und Reichweite. Die Product-to-Plot-Strategie könnte für Marken künftig relevanter werden. 

Kurze Videos im Hochformat haben sich längst als selbstverständlicher Bestandteil der Mediennutzung etabliert. TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts haben nicht nur die Länge von Bewegtbild verändert, sondern auch dessen Dramaturgie. Inhalte müssen schnell verständlich sein, Aufmerksamkeit unmittelbar erzeugen und einen Grund liefern, nicht weiter zu scrollen.

Mit Vertical Dramas wird diese Logik nun auf fiktionales serielles Erzählen übertragen. Ein aktuelles deutsches Beispiel dafür ist das Microdrama "YES!". Am 31. August 2026 starteten die Dreharbeiten zur ersten Staffel. Die Serie umfasst 60 Episoden von jeweils ein bis zwei Minuten Länge und wird im vertikalen Format 9:16 produziert.

Gedreht wurde vom 31. August bis 4. September 2026 ausschließlich an einem einzigen Drehort am Schliersee. Die komplette erste Staffel entstand damit innerhalb von nur fünf Drehtagen. Produktionsfirma ist die Victus Films GmbH aus München.

Kreiert und geschrieben wurde "YES!" von Ben Blaskovic, der als Showrunner fungiert und zugleich selbst eine der Hauptrollen übernimmt. Die weibliche Hauptrolle Anna Weiss spielt Jennifer Montero. Cathy Hummels ist als Antagonistin Katharina Falk zu sehen. Dominik Gruber, bekannt aus GNTM, gehört ebenfalls zum Cast. Regie führte Laura Thies, für die Kamera zeichnet Markus Ilschner verantwortlich.

Der Cliffhanger wird zum Prinzip

Inhaltlich setzt "YES!" auf eine für Microdramas typische Dramaturgie. Im Mittelpunkt steht eine Braut, die auf ihrer eigenen Hochzeit verschwindet. Die Handlung verbindet ein luxuriöses Setting am See mit einer emotionalen und geheimnisvollen Geschichte.

Entscheidend ist dabei die Struktur: Jede einzelne Episode soll einen eigenen Spannungsbogen besitzen und mit einem Cliffhanger enden. Die extrem kurze Laufzeit wird damit nicht als Einschränkung behandelt, sondern zum dramaturgischen Prinzip.

Ben Blaskovic, Produzent & Showrunner der Serie, sieht darin eine eigene Form des seriellen Erzählens:

"Ich bin in Tegernsee geboren und am Schliersee aufgewachsen – dieser See ist mein Zuhause. Jetzt genau hier meine eigene Serie zu drehen, ist für mich das größte Geschenk. Gleichzeitig ist 'YES!' für mich mehr als ein Heimatprojekt: Vertical Drama steht nicht für geschrumpftes Fernsehen, sondern für ein eigenes Erzählformat. Der Daumen entscheidet in unter einer Sekunde, ob eine Geschichte weiterlebt – das zwingt uns zu einer Präzision, die dem Seriellen guttut. 'YES!' gehört damit zu den ersten Vertical-Drama-Serien, die in Deutschland produziert werden – und genau deshalb machen wir das jetzt."

Damit beschreibt Blaskovic zugleich eine wesentliche Veränderung der Bewegtbild-Kommunikation: Nicht mehr allein Einschaltquote oder Verweildauer bestimmen über den Erfolg eines Formats. Auf dem Smartphone konkurriert jede Episode unmittelbar mit der nächsten Bewegung des Daumens.

Ein Milliardenmarkt entsteht

Microdramas gelten derzeit als eines der am schnellsten wachsenden Bewegtbildformate. Der globale Markt wurde laut Omdia für 2025 auf rund 11 Milliarden US-Dollar Umsatz geschätzt.

Die Größenordnung sollte allerdings eingeordnet werden: Ein erheblicher Teil dieses Geschäfts entfällt bislang auf China, wo sich Microdramas wesentlich früher als eigenständige Medienkategorie etabliert haben. In westlichen Märkten befindet sich das Format dagegen noch in einer deutlich früheren Entwicklungsphase.

Gerade das macht Produktionen wie "YES!" für den deutschen Markt interessant. Hier wird nicht lediglich ein bestehendes TV-Format verkürzt. Produktionsweise, Dramaturgie und Distribution werden von Beginn an für das Smartphone gedacht.

Auch die Produktionsökonomie verändert sich. 60 Folgen entstehen bei "YES!" innerhalb von fünf Tagen an einem einzigen Drehort. Kleine Teams, kurze Produktionszeiten und stark standardisierte dramaturgische Strukturen können die Kosten gegenüber klassischen fiktionalen Produktionen reduzieren.

Für Marken eröffnet sich durch das neue Format ein zusätzlicher Kommunikationsraum.

Marken sind Teil der Handlung: Taittinger und Glambou

Für die Placement-Strategie von "YES!" zeichnet die Münchner Agentur Brandplace verantwortlich. In die neue Serie sind die Marken Taittinger Champagner und Glambou Schmuck integriert.

Dabei setzt Brandplace nach eigenen Angaben auf einen sogenannten "Product-to-Plot"-Placement-Mechanismus. Die Produkte sollen nicht lediglich sichtbar im Bild erscheinen. Sie werden so eingesetzt, dass sie Bestandteil der Handlung werden.

Das Hochzeitssetting schafft dafür einen passenden narrativen Kontext: Champagner und Schmuck lassen sich innerhalb einer solchen Geschichte plausibel einsetzen. Klassische Werbeunterbrechungen werden vermieden.

Sandra Freisinger-Heinl, Geschäftsführerin von Brandplace, beschreibt die Idee so:

"Microdramas sind für Marken deshalb so spannend, weil Werbung hier nicht unterbricht, sondern Teil der Geschichte wird. Wenn ein Produkt organisch in die Handlung eingebunden ist, schafft das eine Aufmerksamkeit und Emotionalität, die klassische Werbeformate kaum erreichen. Für Marken wie Taittinger oder Glambou ist die Einbindung in das Hochzeitsdrama 'YES!' ideal, da sie für Genuss, Stil und besondere Momente stehen. So werden sie Teil der Geschichte, die die Zielgruppe über 60 Folgen miterlebt. Und diese Wirkung reicht weit darüber hinaus, denn durch die lizenzierten Cutdowns für die eigenen Kanäle bleiben die Marken auch über die Serie hinaus präsent."

Aus organischem Product Placement wird Content für die Marke

Ein weiterer Bestandteil des neuen Formats ist aus Marketingsicht mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Platzierung. 

Taittinger und Glambou erhalten lizenzierte vertikale Cutdowns aus der Serie und können diese auf ihren eigenen Social-Media- und Marketingkanälen einsetzen. Das Placement erzeugt damit nicht nur Sichtbarkeit innerhalb eines fremden Medienangebots. Aus der Produktion entsteht zugleich Content für die Owned-Media-Kommunikation der beteiligten Marken.

Eine Szene kann dadurch mehrere Funktionen übernehmen: Sie ist Bestandteil der fiktionalen Handlung, transportiert eine Marke innerhalb dieser Handlung und lässt sich anschließend als eigenständiger Social Content ausspielen. Die Grenzen zwischen Filmproduktion, Product Placement, Branded Content und Social-Media-Kommunikation werden damit durchlässiger.

EILIN – Eine Neue Plattform für Vertical Drama

Die Ausstrahlung von "YES!" soll im vierten Quartal 2026 auf EILIN beginnen. Die derzeit noch in Entwicklung befindliche Mobile-First-Plattform der Vertical Minds GmbH wird vom MedienNetzwerk Bayern unterstützt. (A. d. R.: Im Google Play Store wird EILIN ausdrücklich als "Open beta" bezeichnet.)

Ergänzend soll die Microdrama-Serie über die Social-Kanäle des Ensembles verbreitet werden. Nach der Erstausstrahlung ist zudem eine internationale Lizenzierung vorgesehen.

Damit setzt das Projekt auf eine Distribution, die ebenfalls von klassischen TV-Strukturen abweicht: Plattform, Social-Media-Reichweiten der Beteiligten und eine mögliche internationale Verwertung sollen ineinandergreifen.

marketingScout.com Kommentar: Product-to-Plot – Wenn Werbung nicht mehr unterbricht

Klassische Werbung beruht in der Regel auf einer Unterbrechungslogik: Ein Publikum interessiert sich für einen Inhalt und bekommt davor, danach oder dazwischen eine Werbebotschaft präsentiert. Die Besonderheiten der sozialen Medien haben dieses Prinzip zunehmend unter Druck gesetzt. Nutzer können Werbung überspringen, wegscrollen oder ignorieren.

"YES!" versucht die entgegengesetzte Logik: Marken sollen nicht vor dem Content gezeigt werden oder diesen unterbrechen, sondern organischer Bestandteil des Contents sein.

Der "Product-to-Plot"-Ansatz ist deshalb mehr als nur eine neue Bezeichnung für Product Placement. Ein Champagner oder Schmuckstück steht nicht zufällig im Bild, sondern erhält innerhalb der Geschichte eine nachvollziehbare Rolle.

Das funktioniert besonders gut, wenn Produktwelt und Erzählwelt eng zusammenpassen. Genau deshalb ist das Hochzeitssetting kommunikativ geschickt gewählt. Champagner und Schmuck gehören zum kulturellen Code von Hochzeiten, Feiern, Luxus und besonderen Anlässen.

Darin steckt eine bekannte Marketingmechanik, die durch Vertical Drama eine neue Form erhält: Marken koppeln sich an Emotionen und kulturelle Situationen an.

Hinzu kommt eine zweite Mechanik. Die 60 kurzen Episoden erzeugen nicht einen (einzigen) Markenkontakt, sondern potenziell eine Kette von Kontakten. Wenn Zuschauer der Geschichte folgen, können Marken wiederholt innerhalb derselben fiktionalen Welt auftauchen. Aus dem einmaligen Placement wird eine serielle Markenpräsenz.

Und schließlich folgt eine dritte Ebene: Die Produktion wird von Anfang an als Content-Baukasten gedacht. Durch die lizenzierten Cutdowns erhalten die beteiligten Unternehmen Material für ihre eigenen Kanäle. Aus einem (einzigen) Produktionsbudget können damit gleichzeitig Placement, Entertainment und eigener Social Content entstehen.

Genau hierin könnte die eigentliche Relevanz von Microdramas für das Marketing liegen. Die kurze Produktionszeit, das Smartphone-Format und die serielle Dramaturgie passen zu einer Kommunikationswelt, in der Marken permanent Bewegtbild benötigen, klassische Werbeunterbrechungen aber immer schwerer Aufmerksamkeit finden.

Ob Vertical Drama in Deutschland tatsächlich eine eigenständige Medienkategorie mit großer Reichweite wird, ist noch offen. Die internationale Entwicklung macht das Format jedoch relevant genug, um genauer hinzusehen.

"YES!" ist ein frühes Beispiel dafür, wie Marken-Kommunikation aussehen kann, wenn Social Video, fiktionales Storytelling und Product Placement nicht mehr getrennt voneinander geplant werden.

Titelbild: YES Crew-Foto (Copyright: YES_NRB). Das Foto wurde der marketingScout.com Redaktion von forvision für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt.

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YES Crew-Foto (Copyright: YES_NRB). Das Foto wurde der marketingScout.com Redaktion von forvision für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt.

Zusammenfassung (Abstract):
Mit "YES!" geht in Deutschland eine Vertical-Drama-Produktion an den Start: 60 Episoden von jeweils ein bis zwei Minuten sind konsequent für das Smartphone produziert. Brandplace integriert Taittinger und Glambou über einen "Product-to-Plot"-Ansatz direkt in die Handlung. Zusätzlich erhalten die Marken lizenzierte Cutdowns für ihre eigenen Kanäle. Influencer wie Cathy Hummels sorgen für Aufmerksamkeit und Reichweite. Das Projekt zeigt eine neue Marketinglogik, bei der fiktionales Storytelling, organisches Product Placement, Social Content und Influencer Marketing miteinander verschmelzen.

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