Hot Topic Warum KI SEO nicht ersetzt, sondern erfordert – Julian Dziki über SEO in der KI-Ära

Julian Dziki bei einem Bühnenauftritt 2024 (Fotograf / Copyright: ErikaMayer.at)
21. Januar 2026 Autor: Redaktion MarketingScout

Totgesagte leben länger. Kaum eine Marketingdisziplin wurde in den vergangenen zwei Jahren so häufig abgeschrieben wie SEO, also Suchmaschinen-Optimierung. Generative KI, so der Branchen-Tenor, werde Google ersetzen und klassischen Website-Traffic obsolet machen. Doch das Jahr 2026 markiert keinen Abgesang auf SEO, sondern deren tiefgreifendste Transformation seit zwei Jahrzehnten. Julian Dziki, Geschäftsführer der Münchener Agentur Seokratie, teilt seine Insights.

Aktuelle Daten des Anbieters Semrush zeichnen ein klares Bild: Die Google-Nutzung steigt bei ChatGPT-Anwendern um rund 20 Prozent. Generative KI verdrängt die Suche also nicht, sie verstärkt sie. Wer geglaubt hat, Large Language Models würden das offene Web (und damit SEO) überflüssig machen, hat die Funktionslogik der Systeme fundamental missverstanden.

Julian Dziki, Geschäftsführer der Münchener Agentur Seokratie, spricht von einem Wendepunkt für den gesamten Markt. Technische Exzellenz und inhaltliche Tiefe seien 2026 keine optionalen Rankingfaktoren mehr, sondern die Eintrittskarte in den sogenannten "Latent Space" der Sprachmodelle – jenen Datenraum, aus dem KI-Systeme ihre Antworten generieren.

Zwei Märkte, eine Grundlage: SEO für Menschen, GEO für Maschinen

Was sich derzeit vollzieht, ist keine Evolution im Detail, sondern eine strukturelle Marktaufspaltung. Die Suche existiert 2026 auf zwei Ebenen gleichzeitig: als klassisches SEO für menschliche Nutzer und als Generative Engine Optimization (GEO) für KI-Agenten.

Da Systeme wie Gemini oder ChatGPT auf aktuelle Webdaten angewiesen sind, um präzise Antworten liefern zu können, entscheidet die technische Qualität einer Website darüber, ob eine Marke überhaupt als Quelle berücksichtigt wird. Crawlbarkeit, saubere Informationsarchitektur und strukturierte Daten werden zum entscheidenden Vertrauenssignal. SEO fungiert als Brücke zwischen Unternehmen und dem Informationsfluss der KI.

Für den Industrie-Mittelstand ist dieser Wandel ambivalent. Zwar führt die Einführung der Google-Funktion "Übersicht mit KI" laut einer Seokratie-Studie zu einem durchschnittlichen Traffic-Rückgang von rund sieben Prozent – insbesondere bei rein informativen Suchanfragen. Doch dieser Verlust täuscht. Die verbleibenden Klicks stammen von deutlich besser qualifizierten Nutzern mit konkreter Kaufabsicht. SEO entwickelt sich von einem Reichweiteninstrument zu einem Präzisionswerkzeug für Lead-Qualifizierung.

Risikofaktor: AI-Slop ("KI-Schrott")

Parallel wächst eine neue Bedrohung für Marken: sogenannter "AI-Slop". Die Möglichkeit, mittelmäßige Inhalte automatisiert und kostengünstig zu skalieren, hat eine Flut austauschbarer Texte und Bilder ausgelöst – mit direkten Folgen für Sichtbarkeit und Vertrauen.

Wie sensibel Nutzer auf diese Qualitäts-Erosion reagieren, zeigt sich besonders deutlich bei Google Discover. Selbst fachlich hochwertige Inhalte verlieren dort an Performance, wenn sie mit generischen KI-Bildern kombiniert werden. Nutzer identifizieren diese Inhalte als künstlich, verweigern den Klick und entziehen der Marke Aufmerksamkeit – noch bevor der eigentliche Content gelesen wird.

2026 gilt mehr denn je: Mittelmaß lässt sich automatisieren, strategische Differenzierung nicht. Expertise, Originalität und Haltung werden zur zentralen Versicherung gegen algorithmische Austauschbarkeit – insbesondere im B2B-Umfeld.

Julian Dziki bringt den Paradigmenwechsel auf den Punkt: "Traffic ist im Jahr 2026 eine reine Eitelkeitskennzahl. Wer Suchmaschinenoptimierung heute noch allein auf Klickzahlen reduziert, hat das Spiel nicht verstanden."

Entscheidend sei nicht mehr, wie viele Nutzer eine Website erreichen, sondern ob eine Marke in den relevanten Kontexten der KI sichtbar und zitierfähig ist.

"KI ersetzt Google nicht, sie erweitert die Suche. Jede KI und jeder digitale Agent greift am Ende auf das offene Web zurück. Ohne technische Brillanz und inhaltliche Exzellenz bleibt eine Marke für diese Systeme schlichtweg unsichtbar", so Dziki weiter.

Sein Fazit ist unmissverständlich: "Wer die Grundlagen beherrscht, wird in der KI-getriebenen Welt zu den Gewinnern gehören; wer SEO vernachlässigt, wird technologisch deplatformiert und versinkt in der Bedeutungslosigkeit des AI-Slop."

Für Marketingentscheider ergibt sich daraus ein weiterer, oft unterschätzter Effekt: Das klassische Tracking-Modell stößt an seine Grenzen. Laut einer Studie des Anbieters Dreamdata umfasst eine B2B-Customer-Journey heute durchschnittlich 31 Touchpoints und kann sich über bis zu 199 Tage erstrecken. Viele dieser Kontakte finden in anonymen KI-Chats statt – jenseits jeder sauberen Attribution.

Die Konsequenz: Self Reported Attribution gewinnt laut Dziki an Bedeutung. Die direkte Frage an den Kunden "Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?" wird zum zentralen Instrument, um den tatsächlichen Business Impact von Marketingmaßnahmen realistisch zu bewerten.

Die Prognose: SEO stirbt nicht durch KI – es wird zur infrastrukturellen Voraussetzung für KI-Sichtbarkeit.

Nicht Reichweite entscheidet 2026 über Erfolg oder Misserfolg, sondern ob eine Marke technisch, inhaltlich und semantisch so hochwertig aufgestellt ist, dass sie von KI-Systemen überhaupt als relevante Quelle wahrgenommen wird.

Drei SEO Wahrheiten prägen die neuen KI-Ära:

  • SEO ist die Eintrittskarte in die KI-Welt. Ohne saubere Technik, strukturierte Daten und exzellente Inhalte existiert eine Marke für KI-Agenten faktisch nicht.

  • Weniger Traffic, mehr Wert. Sinkende Klickzahlen sind kein Alarmzeichen, sondern Ausdruck höherer Qualität. SEO wird vom Reichweiten- zum Präzisionskanal.

  • AI-Slop ("KI-generierter Content-Schrott") ist ein Reputationsrisiko. Automatisierter Mittelmaß-Content schadet Marken nachhaltig. Differenzierung entsteht 2026 ausschließlich durch wertigen Content, authentische Expertise und Haltung.


Wissenswertes über Seokratie (www.seokratie.de)
Seokratie wurde 2008 von Julian Dziki gegründet und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Die Agentur gehört zu den führenden Spezialisten für SEO, SEA und Content Marketing im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen unterstützt den Industrie-Mittelstand und internationale Konzerne dabei, durch technische Exzellenz und strategische Inhaltsentwicklung in einer komplexen digitalen Welt nachhaltig sichtbar zu bleiben.

Titelbild: Julian Dziki bei einem Bühnenauftritt 2024 (Fotograf / Copyright: ErikaMayer.at)

Julian Dziki bei einem Bühnenauftritt 2024 (Fotograf / Copyright: ErikaMayer.at)
Julian Dziki bei einem Bühnenauftritt 2024 (Fotograf / Copyright: ErikaMayer.at)

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Zusammenfassung: Warum Künstliche Intelligenz SEO nicht ersetzt, sondern erfordert – Julian Dziki von Seokratie über die besondere Bedeutung von SEO in der KI-Ära

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