Die AGF Videoforschung zieht Bilanz und legt abschließende Zahlen zur TV- und Streaming-Nutzung im deutschen Markt für 2025 vor. Demnach differenziert sich die Bewegtbildnutzung weiter aus – lineares Fernsehen wird weniger genutzt, bleibt bei aktuellen, gesellschaftlich relevanten und live wahrgenommenen Inhalten jedoch ein zentraler Bestandteil des Medienmarktes. Die Nutzung von Streaming-Angeboten legt zu, kann die Verluste beim linearen TV aber nicht vollständig kompensieren.
Der deutsche Bewegtbildmarkt befindet sich 2025 weiter im Umbruch. Die Nutzung verteilt sich zunehmend auf unterschiedliche Plattformen, Endgeräte und Anbieter. Gleichzeitig zeigt sich: Lineares Fernsehen verliert zwar an Sehdauer, behauptet aber seine Relevanz insbesondere bei aktuellen, gesellschaftlich relevanten und live wahrgenommenen Inhalten.
Streaming wird messbarer – Amazon Prime Video im AGF-System
Das Jahr 2025 markiert einen entscheidenden Schritt in der Weiterentwicklung der Bewegtbildmessung in Deutschland. Mit der aktiven Integration von Amazon Prime Video in das AGF-Messsystem ist es gelungen, einen globalen Streaminganbieter über eine Server-to-Server-Integration in ein zertifiziertes und neutrales Messsystem einzubinden.
Seit November 2025 werden die werbefinanzierten VOD-Inhalte des Streaminganbieters über eine Server-to-Server-Integration vergleichbar mit klassischen TV-Angeboten ausgewiesen. Damit ist erstmals ein globaler Streamingdienst vollständig in ein zertifiziertes, neutrales Messsystem eingebunden. Für Werbungtreibende und Medienplaner verbessert sich damit die Vergleichbarkeit von Reichweiten und Nutzungsvolumina über TV und Streaming hinweg deutlich.
Lineares Fernsehen: Reichweitenstark, aber rückläufige Nutzungsdauer
Trotz zunehmender Fragmentierung erreicht lineares Fernsehen weiterhin täglich mehr als die Hälfte der Bevölkerung. 2025 schalteten durchschnittlich 55,5 Prozent der Menschen ab drei Jahren (43,8 Mio.) täglich mindestens eine Minute lineares TV ein. Die durchschnittliche Sehdauer sank jedoch auf 158 Minuten pro Tag – ein Rückgang von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei den 14- bis 49-Jährigen aus, deren tägliche TV-Nutzung bei 67 Minuten liegt.
Diese Entwicklung lässt sich nicht allein durch Streaming erklären. Neben zeitversetztem Videokonsum gewinnen auch Social-Media-Plattformen und Gaming weiter an Bedeutung. Technologische Veränderungen wie App-Zugänge über den Big Screen tragen zusätzlich zur Aufsplitterung der Nutzung bei.
Informationsformate bleiben Anker im linearen TV
Ein stabiler Faktor im linearen Fernsehen sind Informationsangebote. Nachrichten, Magazine, Dokumentationen und Talks machten 2025 rund 36 Prozent der gesamten linearen TV-Nutzung aus – leicht mehr als in den Vorjahren. Politische und gesellschaftliche Großereignisse sorgten erneut für hohe Reichweiten.
Die vorgezogene Bundestagswahl im Februar 2025 war dabei ein zentrales Nutzungshighlight. Die „Tagesschau“ am Wahlabend erreichte über 11 Mio. Zuschauer, die großen TV-Duelle erzielten Marktanteile von bis zu 42 Prozent. Auffällig: Auch in der konvergenten Betrachtung entfiel der überwiegende Teil der Nutzung auf den linearen Empfang, während exklusive Streamingnutzung eine untergeordnete Rolle spielte. Ähnliche Muster zeigten sich bei der Kanzlerwahl im Mai sowie bei internationalen Ereignissen wie der Amtseinführung von Donald Trump oder geopolitischen Krisen.
Live-Events wie Sport und Shows sowie der "Tatort" treiben die Reichweiten
Auch abseits der Politik zeigt sich die Stärke des linearen Fernsehens, vor allem bei Live-Events. Die reichweitenstärkste Sendung des Jahres war das EM-Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Spanien mit 14,6 Mio. Zuschauern. Der "Tatort" belegte weitere Spitzenplätze, ebenso der Eurovision Song Contest, der sowohl im Gesamtpublikum als auch bei den 14- bis 49-Jährigen die erfolgreichste Unterhaltungssendung war.
Diese Formate verdeutlichen: Inhalte mit Ereignischarakter bündeln Aufmerksamkeit weiterhin effizient – insbesondere im klassischen TV.
Streaming wächst – aber auf niedrigem Ausgangsniveau
Parallel dazu nimmt die Streamingnutzung weiter zu. Die durchschnittliche tägliche Sehdauer für Video-Streaming stieg 2025 von sechs auf acht Minuten (+21 Prozent). Zuwächse zeigen sich in allen Altersgruppen. Dennoch kompensiert das Streaming-Wachstum die Verluste im linearen TV bislang nicht vollständig.
Bei den Nutzungsvolumina dominieren im Streamingbereich serielle und fiktionale Inhalte. Öffentlich-rechtliche Angebote erzielen im Gesamtpublikum hohe Nutzungswerte, während bei den 14- bis 49-Jährigen RTL vorn liegt. Amazon Prime Video erreicht trotz kurzer Messphase bereits einen Platz unter den fünf stärksten Streamingangeboten.
Weitere Informationen zu dieser Auswertung, u. a. eine Auflistung der beliebtesten TV-Formate, segmentiert nach Altersgruppen, sowie der beliebtesten Streaming-Anbieter und der Top 5 Programmmarken gibt es unter www.agf.de.
Zum Bewegtbildmarkt 2025 in Deutschland resümiert Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung:
"Trotz dieser dynamischen Entwicklung und dem sich abzeichnenden Trend, dass nun alle um das Gleiche kämpfen, zeigt auch das Jahr 2025, dass lineares Fernsehen weiterhin dort hohe Reichweiten erzielt, wo Inhalte Aktualität, Orientierung und Ereignischarakter besitzen. Nachrichten, Sondersendungen und Live-Übertragungen bleiben für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ein fester Bezugspunkt im täglichen Medienkonsum. Mit der Integration internationaler Plattformen und den Fortschritten in der hybriden Messung müssen wir angesichts dieser immer schneller voranschreitenden Entwicklung konsequent das Instrumentarium erweitern und neue Angebote integrieren, um die Gesamtleistung des Bewegtbildmarktes abzubilden. Für die AGF ist es wichtig, dem Markt ein konsistentes und vergleichbares Reichweitenmodell bereitzustellen, das sowohl die Veränderungen im linearen Fernsehen als auch die Entwicklungen im digitalen Bereich verlässlich abbildet."
Titelbild / Grafik: Top 5 Programm-Marken 2025 (Bildrechte: AGF Videoforschung GmbH)

Verwandte Themen: Medienforschung, Bewegtbildnutzung, TV-Nutzung, Streamingnutzung, TV-Markt, Streamingmarkt, VoD, Video on Demand, Video-Streaming, TV-Reichweite, Medienkonvergenz, Mediaforschung, Mediaplanung, Medientrends, Mediatrends, Entwicklung des TV- und Streamingmarktes in Deutschland
Zusammenfassung: Die AGF Videoforschung zieht Bilanz und legt abschließende Zahlen zur Bewegtbildnutzung im deutschen Markt für 2025 vor. Lineares Fernsehen wird weniger genutzt, bleibt bei aktuellen, gesellschaftlich relevanten und live wahrgenommenen Inhalten jedoch ein zentraler Bestandteil des Medienmarktes. Die Nutzung von Streaming-Angeboten legt zu, kann die Verluste beim linearen TV aber nicht vollständig kompensieren.
Keinen Marketing-Trend mehr verpassen? marketingScout Newsletter








