Timing zählt Kolsquare Expertin Katy Link über Social Listening und Marketing im richtigen Moment

Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare (Bildquelle: Katy Link, Kolsquare)
10. Februar 2026 Autor: Redaktion MarketingScout

Aufmerksamkeit für Marken entwickelt sich heute immer häufiger aus digitalen Alltagsmomenten heraus. Themen, die bewegen – von Taylor Swift bis zum Louvre-Raub – bringen Social Buzz und nicht selten Creator-Inhalte, die viral gehen. Für Marken relevante Dynamiken bilden sich daraus oft, bevor sie als Trend sichtbar werden. Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei der Influencer-Marketing-Plattform Kolsquare, zeigt in diesem Gastbeitrag, wie Social Listening dabei hilft, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und für die Markenkommunikation zu nutzen.

Virale Momente entstehen heute selten dort, wo Marken sie planen – also in langfristig vorbereiteten Kampagnen mit festgelegten Botschaften und Timings. Stattdessen entstehen sie spontan: in Kommentarspalten, in TikTok-Clips oder durch beiläufig gepostete Bilder, die unerwartet Resonanz auslösen. Oft reicht ein Meme, ein Alltagsmoment oder ein kreativer Creator-Post, um Marken ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Die Frage ist längst nicht mehr, ob solche Momente entstehen, sondern wie man sie rechtzeitig erkennt – und dann klug damit umgeht.

Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare, weiß, wie Social Listening Marken hilft, relevante Signale im Netz frühzeitig zu erkennen – noch bevor sie in Trends oder Schlagzeilen münden. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie in dem folgenden Gastbeitrag, wie aus spontanen Community-Impulsen wirkungsvolle Markenmomente entstehen können, wenn Marken sensibel, schnell und glaubwürdig reagieren.

Social Listening: Wie Marken Chancen in viralen Momenten erkennen

Ein Bild vom Louvre, ein Möbelaufzug im Fokus, ein unerwarteter Bezug zu einem deutschen Mittelständler: Der Raub in Paris hat deutlich gemacht, wie schnell Marken heute ungeplant in der öffentlichen Aufmerksamkeit landen können. Diese Aufmerksamkeit können Marken erfolgreich nutzen, wenn sie schnell reagieren – vorausgesetzt, jemand im Marketingteam bemerkt den Moment rechtzeitig.

Social Listening bildet dabei eine zentrale Grundlage, um Kulturveränderungen, Creator-Signale und Community-Muster beobachten und früh genug wahrnehmen zu können. Wer sich online nur auf Erwähnungen der eigenen Marke konzentriert, übersieht leicht Situationen, in denen die Marke zwar nicht genannt wird, aber trotzdem eine Rolle spielen könnte.

Warum Listening mehr ist als Monitoring

Mit Monitoring messen Marketingverantwortliche in erster Linie Sichtbarkeit. Mit Social Listening können sie Gespräche, Reaktionen und Kontexte systematisch auswerten, um Tonalitätswechsel, entstehende Narrative und mögliche Markenanschlüsse früh zu erkennen. Dabei reicht es selten, automatisiert nach Produktnamen oder Hashtags zu suchen. Marken sollten verstehen, wie sich Stimmungen, Codes und Mikrotrends im Netz entwickeln. Creator verändern Narrative oft mit einem einzigen Satz, einem prägnanten Bild oder einem ungewöhnlichen Format. Wenn Teams solche Signale verpassen und erst von einem Moment mitbekommen, sobald ein Thema in den Trending Topics auftaucht, ist der Moment häufig schon wieder vorüber.

Listening ist damit mehr als das Auswerten von Daten; es ist ein kontinuierlicher kultureller Prozess mit Feingefühl für authentische Kommunikation und Verständnis für Trends und Communitys. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen zwei Momente, die beide in der Community entstanden und von Marken passend genutzt worden sind.

Anthropologie Rocks: Wenn Listening den Ursprung eines Trends sichtbar macht

In einem TikTok-Video spielt eine Creatorin ihrem Partner einen humorvollen Streich und verkauft ihm einen gewöhnlichen Stein als teures Deko-Objekt. Das Video verbreitet sich schnell und löst zahlreiche Variationen aus. Nutzerinnen und Nutzer greifen das Motiv auf, parodieren es und diskutieren spielerisch über Preiswahrnehmungen und Markenästhetik.

Die Marke Anthropologie, Spezialist für Dekosteine, erkennt früh, welche Dynamik sich bildet. Das Social-Team sieht, dass der Clip nicht nur lustig ist, sondern ein Gespräch darüber auslöst, wie Communitys auf Lifestyle-Inszenierungen reagieren. Anthropologie lädt die Creatorin in eine Filiale ein, richtet eine kleine "Rock Collection"-Fläche ein und produziert eigene Inhalte, die den Humor der Community aufnehmen.

Die Marke reagiert hier nicht einfach auf Viralität – sie versteht, warum der den Trend auslösende Clip Resonanz erzeugt und spielt den Witz weiter, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Stanley: Ein Community-Signal wird zum Markenmoment

Eine TikTokerin filmt das Innere ihres ausgebrannten Autos. Fast alles ist zerstört, doch ein Stanley-Tumbler (Isolierbecher der Marke Stanley) steht unversehrt im Becherhalter. Die Szene verbreitet sich rasant. Die Community wertet den Moment als unfreiwilligen Belastungstest und erzählt die Szene als Beleg für Haltbarkeit weiter.

Das Social-Team von Stanley erkennt die Dynamik: Der globale Präsident antwortet in einem Stitch, bedankt sich für den "Test" und ersetzt sowohl den Becher als auch das Auto. Creator greifen die Story auf, Medien berichten darüber und das Produktversprechen der Marke erhält ein konkretes Bild.

Auch hier bleibt die Marke bewusst im Hintergrund, reagiert taktvoll und unterstützend, anstatt das Unglück einer Person für reine Brand Awareness auszunutzen.

Gemeinschaftsdynamiken als frühes Signal für Markenmomente

Beide Beispiele gingen aus Impulsen der Community hervor: In einem Fall treibt Humor die Resonanz, im anderen entsteht der Markenmoment aus einem unerwarteten Alltagsereignis. Entscheidend ist, dass die Social-Teams früh erkannt haben, welche Signalwirkung sich aus diesen Situationen entwickelt. Grundlage dafür waren ein tiefes Zielgruppenverständnis und ein sicheres Gespür für Tonalität und Timing.

Ausschlaggebend ist also die Fähigkeit, Muster wahrzunehmen: auffällig viele Reaktionen in kurzer Zeit, eine spürbare Veränderung im Gesprächston oder wenn Creator Produkte in neue Kontexte setzen. Social Listening bedeutet, solche Signale einzuordnen und Entwicklungen zu verstehen, aus denen sich erzählerische Zusammenhänge formen können.

Wie Teams Social Listening in die Praxis bringen

Am effektivsten wirkt Social Listening, wenn Social Media Teams es fest in ihre Arbeitsprozesse integrieren. Dazu sollten die Teammitglieder täglich in der Community unterwegs sein. Es geht dabei weniger um Kontrolle als um echte Neugier: Was entsteht hier gerade? Welche Bilder verbreiten sich? Welche Creator-Sprache schwappt in die eigene Zielgruppe?

Sobald sich ein Muster zeigt, sollten die Content-Teams schnell reagieren können. Klare Rollen und Zuständigkeiten sind dafür essenziell, um Abstimmungswege kurz halten zu können. So müssen die Teams nicht jedes Mal bei null beginnen, wenn sich ein Moment ergibt. Wichtig ist, dass die Teams dabei auch ein Gespür für die richtige Tonalität haben: Reaktionen brauchen Nähe und Respekt, ohne künstlich zu wirken. Passt die Reaktion zur eigenen Markenidentität? Fühlt sich die Reaktion stimmig an? Das beinhaltet auch, identifizieren zu können, wann man sich als Marke zurückhalten sollte, um Creatorn das Spotlight zu überlassen oder um den eigenen Ruf nicht zu schädigen.

Momentum gehört denen, die zuerst hinschauen

Auch der oben erwähnte "Louvre-Fall" zeigt, wie stark einzelne Bilder wirken können. Die meisten relevanten Fälle entstehen jedoch im Kleinen – in Clips, die zunächst beiläufig wirken, in Memes, die spontan entstehen und in Kommentaren, die eine überraschende Energie entwickeln.

Marken, die solche Signale frühzeitig wahrnehmen, gewinnen einen entscheidenden Vorsprung. Er bestimmt, ob sie einen Moment stimmig aufgreifen, solange er noch Form annimmt, oder ob die Gelegenheit bereits vorbei ist. Social Listening schafft dafür die Grundlage: Wer die eigene Community und ihre Dynamiken kontinuierlich verfolgt, erkennt relevante Anlässe schnell und kann angemessen reagieren.

Kommentar der Redaktion (marketingScout.com)

Der Beitrag von Katy Link macht deutlich: Social Listening ist keine Aufgabe, die man "nebenbei" macht, sondern eine strategische Kompetenz moderner Marketingteams. Gerade in Zeiten beschleunigter Aufmerksamkeit entscheidet nicht der lauteste Auftritt, sondern Sensibilität. Marken, die der Commuity zuhören, bevor sie sprechen, sind besser vorbereitet – auf Chancen ebenso wie auf Risiken. Social Listening ist damit weniger ein technisches Setup als eine Haltung: neugierig, aufmerksam und nah an der Kultur der Zielgruppe.


Über Katy Link

Katy Link ist Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare, einer SaaS-Lösung für datengetriebenes Influencer-Marketing. Ihre Karriere führte sie nach ihrem Studium zu internationalen Marken wie Nike, Roxy, Quiksilver (als Global Director of PR), Crunchyroll und Bright Tradeshow, wo sie in Brand Communication, Marketing und Eventmanagement tätig war. 2020 erweiterte sie ihr Wissen im Tech-Bereich durch ein Coding- und Web-Development-Bootcamp und arbeitete anschließend an SaaS-, UX- und User-Research-Projekten. Katy Link spricht fünf Sprachen, unterrichtet punktuell an der Universität Bordeaux und engagiert sich für Ethik und Bewusstsein in Social Media und Influencer-Marketing.

Wissenswertes über Kolsquare 

Die Influencer-Marketing-Plattform Kolsquare (www.kolsquare.com) hat im Januar 2026 den österreichischen Konkurrenten Storyclash übernommen. Mit dem Zukauf ist der grösste europäische Anbieter im Influencer-Tech-Markt, gemessen an der Kundenzahl, entstanden. Gemeinsam zählen die beiden Unternehmen rund 2000 Kunden in mehr als 30 Ländern.

Titelbild: Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare (Bildquelle: Katy Link, Kolsquare)

Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare (Bildquelle: Katy Link, Kolsquare)
Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei Kolsquare (Bildquelle: Katy Link, Kolsquare)

Verwandte Themen: Social Listening, Community-Dynamiken, Markenmomente, virale Trends, digitales Marketing, Influencer Marketing, Markenkommunikation, Trendanalyse, Social Media Strategie, Cultural Insights, Cultural Marketing, Echtzeitmarketing, Brand Relevance, Katy Link, Kolsquare, Gastbeitrag

Zusammenfassung: In diesem Gastbeitrag zeigt Katy Link, Head of Product Marketing & Communications bei der Influencer-Marketing-Plattform Kolsquare, warum Social Listening für Marken heute unverzichtbar ist. Anhand konkreter Beispiele wird deutlich, wie Community-Dynamiken, kulturelle Signale und das richtige Timing darüber entscheiden, ob aus spontanen Impulsen glaubwürdige Markenmomente entstehen.

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