Künstliche Intelligenz hat die Design-Praxis grundlegend verändert. Was früher in Skizzen begann und über Renderings Gestalt annahm, entsteht heute direkt im Raum – als digitaler Zwilling eines neuen Designobjektes, der Materialien, Proportionen und Anmutungen bereits vor der Produktion erlebbar macht. Die Folge: ein massiv gestiegener Anspruch an Kreativität und visuelle Ästhetik sowie ein Tempo, das klassische Arbeitsweisen im Designprozess zunehmend ablöst.
Mit der wachsenden Leistungsfähigkeit durch KI-Tools verschiebt sich auch die zentrale Herausforderung im Design. Es geht längst nicht mehr nur darum, was möglich ist – sondern darum, was in der Vielfalt der Möglichkeiten relevant bleibt. Genau hier setzt das Design- und Innovationsstudio Designworks an. Als eigenständiges Unternehmen innerhalb der BMW Group beschäftigen sich die Kreativen täglich mit Designfragen an der Schnittstelle von Technologie, Mobilität und Markenführung – und erleben aus erster Hand, wie künstliche Intelligenz Designprozesse transformiert.
Vom Gestalten zum Orchestrieren
Laut Lennart Baramsky, Designer bei BMW Group Designworks, verliert die klassische lineare Designlogik (Idee, Skizze, Ausarbeitung) an Bedeutung. Stattdessen entstehen Lösungen in vernetzten Systemen, durch das Zusammenspiel verschiedener Tools und Prozesse. Designer:innen werden zunehmend "Orchestratoren" komplexer Workflows.
Lennart Baramsky beschreibt diese Entwicklung so:
"In Zukunft ist genau das die Leistung des Designers: die richtigen Tools für seinen Nutzen so miteinander zu verknüpfen, dass am Ende das beste Ergebnis herauskommt."
KI fungiert dabei nicht als All-in-one-Lösung, sondern als Teil eines größeren Systems. Unterschiedliche Modelle übernehmen einzelne Aufgaben – von der Ideengenerierung bis zur Detailausarbeitung. Die gestalterische Qualität entsteht in der Abfolge dieser Schritte und den Entscheidungen dazwischen.
Das verändert auch das Berufsbild des Designers grundlegend. Technologisches Verständnis, Prozessdenken und die Fähigkeit, Tools gezielt zu kombinieren, werden zur Schlüsselkompetenz.
Oder wie Baramsky es formuliert:
"Allein die Auswahl der Tools ist heute fast schon eine künstlerische Leistung für sich. Oft fühle ich mich bei meiner Arbeit eher wie ein Creative Director, der entscheidet, in welche Richtung die KI gesteuert werden soll."
KI als Dialogpartner der Kreativen
Die Zusammenarbeit mit KI ist laut Baramsky kein rein technischer Prozess, sondern ein kreativer Dialog. Designer:innen definieren Richtung und Rahmen – und reagieren auf die Ergebnisse.
"Es geht häufig darum, eine Balance zu finden zwischen: 'Ich habe Kontrolle – und ich gebe die Kontrolle ab' ", so Baramsky.
Gerade in dieser Balance entstehen neue Impulse. Unerwartete Ergebnisse oder Abweichungen werden nicht als Fehler verstanden, sondern als Ausgangspunkt für neue Ideen. Die kreative Leistung verschiebt sich damit in eine andere Richtung: weg vom reinen Erzeugen hin zur Auswahl und Weiterentwicklung.
"Kreativität ist für mich eine Kombination – eine Entscheidung aus Elementen, die man neu konfiguriert und zusammenbringt", so Baramsky weiter.
Kuration statt Kreation: Neue Formen von Design-Identität
Mit dieser Entwicklung rückt auch die Frage nach einer neuen gestalterischen Identität in den Fokus. Wenn Maschinen Inhalte generieren, was bleibt dann die Handschrift des Designers?
Für Baramsky liegt die Antwort in der Kuration:
"In meinem Fall beflügelt das eher die Kreativität. KI erweitert den Möglichkeitsraum, ohne die finale Verantwortung zu verschieben."
Gestalterische Identität entsteht laut Baramsky jedoch nicht im einzelnen Entwurf, sondern über die Summe der Entscheidungen hinweg. "Es ist nicht nur das eine Bild – es ist eine Masse an Entscheidungen." Erst im Zusammenspiel vieler Arbeiten wird erkennbar, was die Handschrift des Designers ausmacht: Welche Stimmungen dominieren. Welche Lösungen bevorzugt werden. Welche Varianten konsequent aussortiert bleiben.
"So versteht man erst ab einer gewissen Menge an Bildern die gestalterische Handschrift", sagt Baramsky. Design wird damit zur Frage von Konsequenz und Haltung im Prozess. Wer bewusst auswählt, kombiniert und verwirft, entwickelt eine eigene Sprache – auch im Zeitalter von KI.
Was bedeutsam bleibt: Relevanz durch Haltung und Selektion
Die Vielzahl neuer Tools und Möglichkeiten verändert Design nicht nur operativ, sondern auch kulturell. Aus den Erfahrungen bei Designworks hat Baramsky einige übergeordnete Empfehlungen für die Arbeit mit KI abgeleitet. Entscheidend sei eine klare Haltung, die Fähigkeit zur bewussten Auswahl und ein flexibles Denken in Prozessen statt in Tools. Ebenso wichtig seien Offenheit für Experimente, die Bereitschaft zu lernen – auch durch Fehler – sowie der kontinuierliche Austausch im Team.
Die neue Rolle der Kreativen – Ein Kommentar der marketingScout.com Redaktion (mm)
Die oben genannten Einschätzungen von Designworks zu den Entwicklung rund um KI rücken die Rolle von Designer:innen und Art Directors in ein neues Licht: weg vom reinen Gestalten hin zum strategischen Steuern kreativer Prozesse. Lennart Baramsky von Designworks, dem Designstudio innerhalb der BMW Group, erklärt in diesem Beitrag exemplarisch, wohin die Reise geht. Kreative werden zu Kurator:innen, die aus einer Vielzahl neuer Möglichkeiten die relevanten auswählen, kombinieren und weiterentwickeln.
Die Stärke der Designer:innen wird künftig in der Fähigkeit liegen, Tools sinnvoll zu orchestrieren und klare gestalterische Entscheidungen zu treffen. Art Directors übernehmen zunehmend die Rolle von "Kreativ-Orchestratoren": sie definieren Leitplanken, geben Richtung und sorgen dafür, dass aus Geschwindigkeit und Vielfalt Qualität und Konsistenz entstehen.
Gerade im KI Zeitalter, in dem visuell nahezu alles möglich ist, wird die eigentliche Kreativleistung sichtbarer denn je: kreative Haltung zeigen, Relevanz erzeugen und aus der Multi-Optionalität Sinn und Bedeutung formen sind die neuen Kernkompetenzen der Gestalter:innen in Unternehmen und Agenturen.
Titelbild: KI im Design. (Eine Person mit rosa Kappe und Kopfhörern sitzt vor einem großen Monitor. Auf dem Bildschirm sind digitale Kunstwerke zu sehen.) Credits: Designworks München

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Zusammenfassung:
Wie Künstliche Intelligenz (KI) die Rolle von Designern und Art Directors verändert. Warum Kuration, Haltung und strategische Steuerung im Kreativprozess immer wichtiger werden. Eine Einschätzung von Designworks und ein Kommentar der Chefredaktion von marketingScout.com.
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